Seoul von oben

Zum 02.09.2009: Die Zeitverschiebung bzw. das daraus resultierende Schlafdefizit macht uns immer noch etwas zu schaffen. Aber warum soll man im Urlaub nicht mal bis 11:00 Uhr schlafen dürfen, auch wenn draußen auf dem Gang schon demonstrativ der Staubsauger röhrt. Der Frühstücksversuch im Lavazza-Laden um die Ecke endete mit einem Cappucchino, da leider nur Getränke im Angebot sind – die aber werden mit Liebe und Geduld (seitens des Kunden) zubereitet. Viel Zeit zum Suchen einer adäquaten Frühstücksgelegenheit hatten wir nicht, da Heinz “ins Büro” musste, und so haben wir dann in der Hotelbar gute, aber recht teure Sandwiches zu uns genommen.

Leider kamen wir erst gegen 15:30 Uhr los. Daeseon holte uns mit einer Freundin, Ahyoung, am Hotel ab; mit dem Bus fuhren wir dann hoch zum N Seoul Tower, einem 236,7 m hohen Fernsehturm auf dem wiederum 243 m hohen Berg Namsan – man hat demzufolge einen herrlichen Rundblick über die Stadt. Unterhalb des Turmes hängen an eigens aufgestellten Vorrichtungen und am Zaun unzählige ineinander gehakte Paare von Vorhängeschlössern. Diese werden von Hochzeitspaaren dort aufgehängt, um ihre Untrennbarkeit zu symbolisieren. Es scheint aber nicht wirklich zu helfen – Koreas Scheidungsrate ist die dritthöchste der Welt…

Vom Tower hat man wie gesagt einen beeindruckenden Rundblick über das Hochhausmeer von Seoul. Die Stadt selbst hat über 10 Millionen Einwohner (fast ein Viertel der Bevölkerung Südkoreas), der gesamte Ballungsraum “Seoul National Capital Area” hat 24,5 Millionen Einwohner, dort lebt also über die Hälfte der Südkoreaner.

Mit dem Namsan Cable Car sind wir den Berg wieder hinunter geschwebt und nach Myeong-dong gelaufen, einem lautbunttrubeligen Shopping-Viertel, in dem alle internationalen Marken vertreten sind (Stop, fast alle: H&M wird erst im März 2010 aufmachen), und dazu noch jede Menge andere. Außerdem befindet sich dort die Myeongdong Cathedral, Zentrum der Katholiken Südkoreas. Diese Kirche hat in der Demokratie-Bewegung der 1970er und 80er Jahre eine große Rolle gespielt, da sich selbst die Polizei der damaligen Militärregierung nicht traute, in die Kirche einzudringen und Protestler festzunehmen.

Anschließend ging es nahtlos weiter nach Naedaemun. Auf dem gleichnamigen Markt gibt es all die Klamotten aus Myeong-dong in Kopie und zu einem Viertel des Preises. Außerdem gibt es dort zahlreiche Imbisswagen, die u.a. gekochte Seidenspinnerrauben feilbieten, aber auch jede Menge westlichen Augen deutlich zuträglichere Speisen. Wir sind dann allerdings auf Empfehlung von Ahyoung in ein kleines, von außen völlig unscheinbares Restaurant im 1. Stock gegangen, wo es leckere Pfannkuchen und ein Gemisch aus Rettich, Zwiebeln und Schweinefleich gab, sowie die eine oder andere Flasche Cass Lager. Danach sind wir dann mit einem Taxi ins Hotel zurück – per U-Bahn hätte es für vier Personen ungefähr das Gleiche gekostet, aber viel länger gedauert. Außerdem konnten wir so mit dem Fahrer die aktuellen Nachrichten verfolgen, die er auf seinem als Navigationsgerät getarnten Fernseherchen laufen hatte. Heinz hat sich dann noch ins Büro gesetzt, während ich den Blog-Artikel über gestern angefangen habe. Ich bin ja mal gespannt, ob ich irgendwann up-to-date bin, oder immer einen Tag hinterherhinke… Jetzt muss ich aber erstmal ins Bett, es ist 02:00 Uhr Ortszeit vorbei.