DMZ hin und zurück

Heute war ein ganz besonderer Tag. Westliches Frühstück auf der 16. Etage im Hotel mit grandiosem Ausblick auf das verschlafene Seoul – wobei diese brodelnde Stadt nie zu schlafen scheint. Trotzdem gab es natürlich für alle Kimchi-Fanatiker die scharfe Speise am Frühstücksbuffet. Kimchi in the morning, Kimchi for lunch, Kimchi for dinner…

Gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zu Kim Jong Il Richtung Norden. Gebucht hatten wir vom Hotel aus eine Tour an die Grenze des Reiches des Lieben Führers, dessen Volk angeblich Hunger leidet und kaum Strom für eine 24-Stunden-Versorgung hat, während der Führer an der Bombe bastelt. Die DMZ-Tour – eine touristische Wallfahrt an die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea. Die Bustour dort hin war schon eine Tortur über holprige Autobahnen – wir saßen zudem noch direkt über der hinteren Busachse. Je näher wir an die Grenze kamen, um so enger schnürte sich der Stacheldraht zu, der beide Staaten trennt. Erinnerungen wurden wach an das damals geteilte Deutschland, was mittlerweile so gut wie vergessen scheint. Aber in diesem Moment waren die DDR und die dicke Mauer durch Berlin wieder präsent. Ich kann mich noch genau erinnern, als wir West-Berlin besuchten und hoch auf Aussichtstürmen über die Mauer Richtung Ost-Berlin schauten. Wer denkt da heute noch dran.

Auf sicheren Straßen an Landminen vorbei ging es zum letzten Bahnhof vor der Grenze, Dorasan Station. Der Bahnhof ist nagelneu und das ganze Gebiet ist jetzt schon gerüstet für die Grenzöffnung. Industriegüter aus Südkorea sollen endlich kostengünstig über die Gleise in die ganze Welt exportiert werden. Weiter geht es zum Aussichtspunkt Dora Observatory, der einen weiten Ausblick über die DMZ hinweg in den Norden frei gibt. Zwei gigantische Fahnenmasten sind zu sehen, Nordkorea hat den längeren und steht damit angeblich sogar im Guinness-Buch der Rekorde, Südkorea hat den Mastenwettkampf irgendwann eingestellt. Fotos durften wir nur in bestimmten Zonen knipsen, die deutlich markiert waren und militärisch überwacht wurden.

Faszinierend war dann auch der Besuch des Third Tunnel. Einer von vier (entdeckten) Tunneln, die Nordkorea heimlich unter der DMZ gegraben hatte, um die nahe Hauptstadt des Südens, Seoul, zu stürmen. Ein Überläufer berichtete, dass es wohl noch weitere 15 geben soll, konnte aber keine genaueren Angaben machen. Diese Tunnel wurden bis heute nicht entdeckt. Die Tunnelwände des Third Tunnel sind mit Kohle schwarz eingefärbt; Nordkorea gab vor, im harten Granitgestein nach Kohle gegraben zu haben. Ein Katz-und-Maus-Spiel ohne Ende. Aber Südkorea glaubt fest an eine friedliche Vereinigung, so wie sie in Deutschland statt gefunden hat.

Zurück über die Schaukelpiste in die fette City Seoul mit ihrem Meer aus Hochhäusern und Straßen und Staus bis zum Hotel. Als Mitbringsel aus einem Souvenirshop haben wir uns Reisschnaps (Soju) aus Nordkorea gegönnt. Er ist hochprozentiger, als der aus dem Süden, das verrät schon viel…
Etwas relaxt im 18. Stock unseres Hotels, und schon machen wir uns wieder auf dem Weg in den Himmel, in das Restaurant “Top Cloud” im 33. Stock eines schrägen Designhochhauses zum Dinner. Heute ist ein besonderer Tag! Ja. Wir feiern Carstens 37. Geburtstag hoch über Seoul mit leckerem Essen und Wein. Dann noch Brandy…

Liebe Grüße an alle! Heinz

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